Ein Dia-Abend mit Bildern des deutschen Wende-Winters 1989/90 – in der Interpretation von Irene Schneider (Mezzosopran) und Anita Keller (Klavier) werden die politischen Zwischentöne des romantischen Liederzyklus’ spürbar.
Es ist eine sehr persönliche Winterreise - Schuberts Lieder vom Schmerz um den Verlust der Geliebten, der Weltflucht des Künstlers, der Erstarrung und des Scheiterns von Hoffnungen und Utopien bezieht Irene Schneider konkret auf ihre Erfahrungen zur Wendezeit: Zusammenbruch bisher gültiger Maßstäbe, die ungeahnte Möglichkeit, neue Utopien zu denken. Das Erlebnis neuerlicher Erstarrung mit der Suche nach neuen Wegen führt sie bis in die Gegenwart.
Irene Schneider lebte im Wendejahr 1989 in Ost-Berlin direkt an der Mauer mit Blick über die Spree auf den West-Stadtteil Kreuzberg. In diesem Winter des Umbruchs ist sie viel mit der Kamera unterwegs. Ihre Bilder dokumentieren eine unbekannte, fast vergessene Wende - der Blick aus dem Wohnhaus, Wachtürme, eine Dampferfahrt auf der Spree, vorbei an der Mauer, der erstaunte fassungslose Blick auf den ehemals verbotenen Teil Berlins und immer wieder Bilder von unerwarteten Begegnungen in einer aus den Fugen geratenen Zeit.
"Fremd bin ich eingezogen" - nicht wenige hatten beim politischen Umbruch 1989/90 den Traum von etwas gänzlich Neuem. Nicht wenige Andere sahen im fremden Land die materielle bessere Welt. Allen gemeinsam war die Hoffnung und Sehnsucht nach einem Leben ohne Mauern. Irene Schneider und Anita Keller am Klavier zeigen musikalisch diese Aktualität.
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Produktionen
Projektidee und Gesang: Irene Schneider, Mezzosopran
Klavier: Anita Keller
Regie: Holger Müller-Brandes
Ausstattung: Lars Reimers